Welche Symptome sind charakteristisch?

Für sich genommen, können manche Symptome erst einmal harmlos wirken. Die unterschiedlichen Blutungssymptome treten oft nicht gleichzeitig und nicht dauerhaft auf. Oft werden Blutungen auch als „normal“ empfunden, weil es anderen Familienangehörigen ebenso ergeht. Doch eine genaue Anamnese können einen ersten Verdacht stützen und die Diagnose erleichtern.

Hinweis: Aufgrund der vermehrten Blutungsneigung sollte regelmäßig das Blutbild und der Eisenstatus der Patient:Innen kontrolliert werden, da diese mit einer Eisenmangelanämie einhergehen kann.

Häufiges Nasenbluten

Häufiges Nasenbluten

  • Kommt es unabhängig von mechanischen Reizen (wie z.B. Schnäuzen) häufiger zu Nasenbluten?
  • Treten die Blutungen wiederkehrend und unabhängig von Infekten auf?
  • Dauert es länger als einige Minuten, bis das Nasenbluten wieder aufhört?
  • Sind beide Nasenlöcher betroffen?
Starke Regelblutung

Menorrhagie / Hypermenorrhagie

Fast 60 % aller vom vWS betroffenen Frauen und Mädchen haben auffällige, d. h. besonders starke und/oder langanhaltende Menstruationsblutungen. Somit ergeben sich folgende Fragestellungen:

  • Ist die Menstruation besonders stark und/oder lang ab der 1. Regelblutung
  • Dauert die Menstruation länger als 5 Tage an?
  • Werden in etwa mehr als 4 volle Tampons / Binden benötigt?
  • Ist der Blutverlust über 80 ml?

Hinweis: Besonders während der Menstruation kann der Blutverlust oftmals schwierig einzuschätzen sein. Klassische Menstruationskalender oder auch die MyFlowScore App bieten den Menstruierenden die Möglichkeit einer besseren Einschätzung. Die MyFlowScore App wurde speziell zur Quantifizierung mittels des PBAC-Scores (Pictorial Blood Assessment Chart) von der Hämostaseologin Dr. Susan Halimeh (GZRR, Duisburg) entwickelt. Mehr dazu hier.

Zahnfleischblutungen

Zahnfleischblutungen oder andere Schleimhautblutungen

  • Kommt es beim Zähneputzen zu Zahnfleischbluten?
  • Betreffen die Blutungen neben dem Zahnfleisch auch andere Schleimhäute?

Beantworten Ihre Patient:Innen eine dieser Fragen positiv, sollten diese Leitsymptome anhand von standardisierten Anamnesefragebögen unbedingt vertieft abgefragt werden. Mehr dazu auch unter Diagnostik.

Magen-Darm-Blutungen

Magen-Darm-Blutungen

Vor allem bei älteren vWS Patient:Innen kann es unter-/unbehandelt zu Angiodysplasien im Magen- und Darm-Trakt kommen. Diese treten häufig bei Typ II auf (Franchini, M. 2014)3. Für Magen-Darm-Blutungen sind u.a. Teerstuhl, Bluterbrechen, Schwäche und Schwindel charakteristische Symptome.

 

Neigung zu blauen Flecken

Neigung zu blauen Flecken

  • Bilden sich häufig und leicht blaue Flecken, auch wenn die Patient:Innen sich nur leicht gestoßen haben?
  • Werden blaue Flecken auch an ungewöhnlichen Stellen (also nicht nur an Armen und Beinen, sondern z. B. am Körperstamm) beobachtet?
  • Treten nach intramuskulären Impfungen Hämatome auf?
Nachbluten nach Operationen, Zahnbehandlungen u.ä.

Nachbluten nach Zahnbehandlungen / OP

  • Treten Blutungen nach Zahnextraktionen, Zahnstein- und Zahnfleischbehandlungen oder Implantationen auf?
  • Treten Blutungen während bzw. nach Tonsillektomien oder Adenotomien auf?
  • Treten Blutungen bei Circumcisionen auf?

Nachbluten nach einer Entbindung oder im Wochenbett

  • Gab es während einer Operation, nach einer Entbindung oder im Wochenbett unerwartete Blutungen, die nur schwer gestillt werden konnten?

Hinweis: Nicht-diagnostizierte bzw. behandelte Patientinnen können zu verstärkten Blutungen im Rahmen der Entbindung oder im Wochenbett neigen. Der Grund: Der von-Willebrand-Faktor ist ein Akute-Phase-Protein, dessen Konzentration postpartal stark abfällt. Die Erfahrung zeigt, dass Nachblutungen im Wochenbett oft erst zwischen dem fünften und siebten Tag nach der Entbindung auftreten

Gelenk- und Muskelblutungen

Gelenk- und Muskelblutungen

Muskel- und Gelenkblutungen können auch bei von-Willebrand-Patienten vorkommen. In der Regel vor allem bei Patient:Innen mit einer schweren Ausprägung (v. Galen, K. 2017)2. Um die Entstehung von Arthropathien und anderen Gelenkveränderungen zu minimieren, ist eine frühzeitige (prophylaktische) Therapie empfehlenswert. Bereits eine Gelenkblutung kann zu Folgeschäden führen. 

 

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