Netzwerk vWS - von Willebrand Syndrom

Frauen und das von-Willebrand-Syndrom

Menstruation, Schwangerschaft und Geburt sind für Frauen mit von-Willebrand-Syndrom besonders wichtige Themen. Die gute Nachricht vorweg: Die Erkrankung steht Ihrem Kinderwunsch nicht im Wege. Damit es auch nach der Geburt keine Komplikationen gibt, muss die Gerinnungsstörung jedoch erkannt und behandelt werden.

Menstruation 

Eine sehr ausgeprägte und anhaltende Menstruation kann ein Symptom für das von-Willebrand-Syndrom sein. Die Blutungsdauer von bis zu 10 Tagen in Verbindung mit fast stündlichem Wechsel von Tampons oder Binden und starken Regelschmerzen sind meist schon in jungen Jahren der Grund für eine ärztliche Abklärung und liefern somit oft den entscheidenden Hinweis auf die Erkrankung. Doch auch bei weniger ausgeprägter Symptomatik sollten Sie die Blutungen ernst nehmen und ausführlich mit Ihrem Arzt besprechen. Das gilt erst recht, wenn häufiges Zahnfleisch- oder Nasenbluten oder die Neigung zu blauen Flecken hinzukommt. Nur so kann im Fall einer Schwangerschaft frühzeitig die entsprechende Therapie erfolgen. Bei Unsicherheiten z.B. bezüglich der Menstruationsstärke kann die Regelblutung über die App „MyFlow Score“ dokumentiert werden. Die App unterstützt bei der eigenen Einschätzung der Regelstärke und wertet die eingetragenen Daten aus.

Schwangerschaft und Geburt

Während der Schwangerschaft nimmt die Neigung zu jeglichen Blutungen ab. Das liegt daran, dass die von-Willebrand-Faktor-Konzentration im Blut nach den ersten drei Monaten der Schwangerschaft zunimmt und bis kurz vor der Entbindung nahezu normale Werte erreicht. Risiken drohen vor allem nach der Geburt: Da die von-Willebrand-Faktor-Konzentration im Blut nach der Entbindung rapide absinkt, kann es 5 bis 10 Tage später zu schweren Nachblutungen kommen; also wenn Sie als frisch gebackene Mutter schon längst wieder zu Hause sind.
Das Blutungsrisiko hängt vom Typ des vWS ab. Um Komplikationen – auch im Falle einer Frühgeburt – zu vermeiden, sollten die Gerinnungswerte vor der Entbindung regelmäßig kontrolliert werden. Stellen Sie sich deshalb rechtzeitig in Ihrer Gerinnungsambulanz vor und sprechen Sie mit Ihrem Gynäkologen und der Hebamme. Gut betreut erleben die meisten betroffenen Frauen eine komplikationslose Schwangerschaft und eine normale Entbindung, wie sie auch bei Frauen ohne vWS möglich ist. Je nach Gerinnungswerten ist auch eine PDA (Periduralanästhesie) kein Problem. Sollten die Werte erniedrigt sein, wird gegebenenfalls ein Medikament verabreicht, um den von-Willebrand-Faktor zu erhöhen.

Ist das von-Willebrand-Syndrom vererbbar?

Diese Frage beschäftigt wohl jedes Paar mit Kinderwunsch: Ist das von-Willebrand Syndrom vererbbar und wird unser Kind auch die Erkrankung haben? Die Antwort: Ja, das von-Willebrand-Syndrom ist eine Erberkrankung und kann an die Kinder weitergegeben werden. Anders als die Hämophilie (Bluterkrankheit) kann sie sogar unabhängig vom Geschlecht vererbt werden, also auch vom Vater. Da das von-Willebrand-Syndrom sowohl rezessiv als auch dominant vorliegen kann, beträgt die Wahrscheinlichkeit die Krankheit an die Nachkommen weiter zu geben, abhängig vom Vererbungsgang, 25% oder 50%. In seltenen Fällen kann die Erkrankung auch neu, durch eine zufällige Veränderung der Erbinformation, in vorher nicht betroffenen Familien auftreten.

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